Rückblick: Erzählcafé - Vom Studium ins Business

PINSKI


Studieren ist nicht alles

Insa hat Komposition und Arrangement an der Musikhochschule in Köln studiert. Dort fand sie auch große Teile ihrer Band – Ian an der 7-saitigen E-Gitarre und Stepahn an den Drums. Die Position am Bass war in den letzten Jahren von ein paar Wechseln begleitet und nun hat Shanice Bennet die Kontrolle über die tiefen Töne.

 

Die studierten Musiker beherrschen ihre Instrumente gut, so viel ist naheliegend. Doch was bringt das Studium noch? Für Insa war das Studium „ein gutes Alibi“, um sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren zu können. Außerdem bekam sie dort guten Zugang zu einer Szene von topausgebildeten Musikern. Doch was das Musikbusiness und die Zeit nach dem Studium betrifft, konnte sie dort nicht viel erfahren: „Ja Fuck, wie komme ich jetzt auf die Bühne?“, hat sie sich damals gefragt. „Man wird sehr hängen gelassen, was das Business und die Industrie angeht. Wenn du genau weißt was du machen willst, brauchst du eigentlich kein Studium dafür.“ Stephan stimmt ihr zu: „Studium ist kein Qualitätsmerkmal. Es heißt zwar, dass du auf jeden Fall dein Handwerk beherrscht, aber bedeutet lange nicht, dass man gut in einer Band funktioniert.“ Ein oder mehrere gute Lehrer könnten einen Musiker ebenso gut voranbringen. Wichtig ist, das man übt und dran bleibt!

 

Was ein Studium allerdings bietet, ist die konzentrierte Arbeitsweise in Bezug auf verschiedene Stile und Bandkombinationen. „Das Studium hat mir was gebracht, weil man im Studium mit Projektbands zusammengewürfelt wird“, meint Ian dazu. Wie man Ideen zwischen Musikern austauscht und in der Band miteinander kommuniziert, lernt man im Studium sehr gut. Das geht natürlich aus außerhalb einer akademischen Ausbildung, wenn man sich in Bands viel ausprobiert. Wo man als Musiker hin möchte, ist die entscheidende Frage: „Wenn du deine Band gefunden hast, mit der du Musik machen willst, mach es einfach, dann brauchst du kein Studium. Wenn du aber ein Musiker werden willst, der im Studio vom Leadsheet abspielt, kann ein Studium hilfreich sein.“ Durch die Ausbildung an der Hochschule hat man die Möglichkeit, den ganzen vielfältigen Pool an Genres und Stilen kennen und spielen zu lernen. „Es hat mir geholfen zu merken, was ich nicht spielen möchte“ sagt Shanice.

Netzwerken und Geld verdienen

 Um schließlich sein Brot mit Musik verdienen zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Einstieg in eine gut bezahlte Coverband, Unterricht geben, als Einzelmusiker gebucht werden oder – der von vielen gehegte Traum – ein eigenes Projekt erfolgreich verwirklichen. Insa steckt alles in die letzte Variante und es hat sich bereits für sie ausgezahlt: „Die GEMA zahlt meine Miete und ist echt Gold wert. Sie ist besser als ihr Ruf.

 

Wenn es um die Anbindung als Musiker an bereits bestehende größere Acts geht, haben Shanice und Stephan einen besonderen Tipp: Der Popkurs Hamburg. Hier trifft man auch außerhalb einer Musikhochschule gute Kontakte für das so wichtige eigene Netzwerk. Weiterempfehlungen und Vitamin B sind die Währung, die viel zählt.

 

Jamsessions und Orte, an denen sich Musiker tummeln sind außerdem gute Gelegenheiten das eigene Netzwerk zu vergrößern. Hier gilt es viel aktiv zu sein und Leute anzusprechen – auch mal auf Konzerten, wenn es sich anbietet und die Situation passend ist. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Schließlich will man keinen seltsamen Eindruck hinterlassen.

 

Wenn man nun seinen Lebensunterhalt mit Musik bestreiten möchte, lohnt es sich dann mehrgleisig zu fahren? „Schau, was für dich am besten passt“ meint Ian und fügt hinzu „Zwei oder drei Bands kann funktionieren, manche Bands verlangen aber, dass man exklusiv für sie spielt, weil die entsprechenden Aufträge da sind.“ Auch mit den bereits oben genannten Möglichkeiten kann man sich sein eigenes Musikerdasein zusammenbasteln. Hier gibt es so viele Varianten, wie es Musiker gibt. Wer den Wunsch hat, sein eigenes Projekt zum Erfolg zu führen, kann mit Geduld zum Ziel kommen: „Auch wenn eine Band erst am Anfang steht, muss man erstmal investieren, bevor man einen Erfolg sieht. Es ist wie bei einer Firma, die eventuell einen Kredit aufnehmen muss.“ Auch wenn die Bandkollegen noch in anderen Feldern aktiv sind, sieht Insa klar einen Vorteil in der Konzentration der Musiker auf Pinski als ihr Hauptprojekt: „Für mich ist es leichter eine Band zu haben, die commited ist. Es ist gut, wenn man Leute hat, die am Start sind, wenn man sie braucht - sehr schwierig so etwas im professionellem Bereich zu finden.

 

Die Herangehensweise an Pinski als ein professionelles Projekt hat wichtigen Einfluss auf das Selbstverständnis, das Insa allen Bands ans Herz legt: „Spielt nicht umsonst, denn das macht den Markt für alle kaputt! Am Ende leidet die Qualität auf der Bühne.“ Sicher gibt es Ausnahmen, wenn einem zum Beispiel ein bestimmtes Statement im Rahmen eines Friedensfestivals wichtig ist, oder wenn man die ersten Gehversuche macht. Aber diese Ausnahmen sollten sich in Grenzen halten. Wenn das eigene Musikprojekt professionell werden soll, ist Rechnen unumgänglich.

Berufung Musiker: Selbst und ständig

Pinski kümmern sich selbst um das Booking. Das bedeutet für Insa vor allem viel Büroarbeit. Für sie ist das Live spielen die Haupteinnahmequelle. GEMA und Merch-Verkäufe machen dabei einen wichtigen Anteil aus. Da sie für die Bezahlung ihrer Bandkollegen verantwortlich ist, spielen diese beiden Dinge zusammen, um das Projekt aufrechtzuerhalten: „Konzert spielen hält die Band zusammen.“ Bei ihren Bookinganfragen setzt sie auf gute, aussagekräftige Livevideos und Namedropping: Albumname, Label, Produzent und Vertrieb können für den Booker gute Anhaltspunkte sein, um das Projekt einzuordnen.

 

Social Media ist ein wichtiges Tool, das gut gepflegt sein will. Doch man sollte sich nicht emotional von den Likes abhängig machen, meint sie: „Man muss lernen, dass Likes auf Facebook effektiv nichts Wert sind und das es sich dabei um ein reines Promo -Tool handelt.

 

Doch Professionalität hat ihren Preis. Sie bedeutet viel Stress und einen Job, der keine langen Pausen kennt: „Du hast als Musiker nie frei. Ich kann auch nie wirklich abschalten. Wenn mir etwas einfällt, stehe ich auf und schreibe es auf“ sagt Insa. Administrative Aufgaben saugen dann schnell die Kreativität aus, die eigentlich für die Musik gebraucht wird. Hier will ein gutes Mittelmaß gefunden sein. Bei all den Todo-Listen und der vielen Büroarbeit fühlen sich dann die Konzerte für sie wie ein Ausgleich an. Die Tour wird zum Urlaub.

 

Wichtig ist, dass man einen Ausgleich findet und sich mental nicht vom Vergleich mit anderen herunterziehen lässt. „Glaubt nicht den Bildern auf Facebook. Alle kochen nur mit Wasser und wir schwimmen alle in der gleichen Scheiße. Das stellt man schnell fest, wenn man sich mit vielen Leuten unterhält, die alle ähnliche Probleme haben.

Während Insa als Bandleader viel Organisatorisches übernimmt, besteht der Arbeitsalltag für die Kollegen zum Großteil aus der Vorbereitung auf Proben und Konzerte, der eigenen Terminplanung und natürlich üben, üben, üben.

 

Der Abend im Polaris entwickelte sich schnell zu einem offenen Austausch zwischen Podium und Publikum. Pinski machten zum Schluss noch einmal denen Mut, die vor der Entscheidung zwischen Professionalität und Hobby stehen. „Probiert es doch mal für ein Jahr aus. Wenn es nicht klappt, könnt ihr euch immernoch neu in euerem Job bewerben.“