Der erste Netzwerkabend

Zwischen Stammtisch und Anlaufstelle

Fünfzehn Musiker gehen in eine Bar. Das kann der Anfang eines sehr ausführlichen Witzes sein, oder eines regelmäßigen Netzwerkabends. So einen wünschten sich die anwesenden Vertreter der Jenaer Musikszene nämlich einhellig. Ein Fazit des ersten Netzwerkabendes des Songkultur Netzwerkpunkt Jena könnte also sein: Mehr Netzwerkabende sind notwendig.

Wie bereit die anwesenden Musiker waren, das Angebot eines solchen Abends anzunehmen, zeigte sich bereits lange vor dem offiziellen Startschuss, als sich bereits jeder Anwesende mit Namen, Instrument und Projekten vorstellte. Zu den bekannten Gesichtern der "üblichen Verdächtigen" gesellten sich neue, die freudig in die Runde integriert wurden. Wer über die üblichen Angebote (Jam-Sessions, Workshops, Open Stage) noch nicht informiert war, hat das schnellstens nachgeholt.

Anschließend stellten sich Maria und David vor und erklärten ihre Arbeit im LAG Songkultur e.V.: Was ist ein "Dachverband für populäre Musik in Thüringen"? Wie sehen seine regelmäßigen Aufgaben aus? Wie kann ich mitmachen?

Eine Seite dieser Arbeit war den meisten Anwesenden bekannt. Sie hatten einige Erzählcafés genutzt, um mit Profis aus dem Business zu sprechen, oder sich beim "Austausch" Booking direkt mit Jenaer Bookern zusammengesetzt. Die andere Seite ist weniger auffällig, weil sie eher hinter den Kulissen stattfindet. Als Dachverband will der LAG Songkultur Orientierung für junge, angehende oder sonst orientierungslose Musiker bieten. Er kann die erste Anlaufstelle bilden, sich in die regelmäßigen Musikveranstaltungen in Jena einzufinden. Er kann die bereits bestehende Vereinsarbeit und Angebote bündeln und öffentliche Wirksamkeit schaffen.

Was er weiterhin leisten soll und können soll, dazu wurden an diesem Abend die anwesenden Musiker gefragt. Der weitere Verlauf wurde um die Erarbeitung folgender Fragen strukturiert

 

Zu welchen Themen wünscht ihr euch Veranstaltungen (z.B. Workshops, Erzählcafés, Vorträge)?

Die gewünschten Veranstaltungen umfassen vor allem Workshops - zum Texten, oder zu Kreativitätstechniken im Songwriting, zu Kommunikation innerhalb der Band, dem gemeinsamen Entwickeln von Ideen, Straßenmusik, aber auch zu technischen Themen wie Reparatur, Löten, (Gitarren-)Pedalbau, Ton- und Bühnentechnik oder Öffentlichkeitsarbeit und Socia-Media für die eigene Musik. Auf regelmäßiger Grundlage wünschte man sich Vernetzungsevents, zum Beispiel einen Markt der Möglichkeiten, in dem man sich als Musiker mit seinem Projekt auf einer Messe vorstellen kann.

 

Was fehlt euch in Jena?

Ähnlich ist die Idee eines Musiker-Flohmarkts. Das wäre übersichtlicher als die Suche auf Facebook und Ebay und man könnte Instrumente (oder mit entsprechend eingerichteter Station: Effektpedale) direkt anspielen.

Im Internet ist ein Konzert/Veranstaltungsnetzwerk erwünscht, eine Datenbank mit in Jena verfügbaren Proberäumen, Venues, Musikern usw. Generell werden sich mehr Proberäume in Jena gewünscht. Bei Livemitschnitten und ähnlichen Angeboten ist unklar, wer das bezahl- aber auch brauchbar produzieren könnte. Aus Unzufriedenheit mit dem Angebot in Jena wird sich eine Open Stage gewünscht, die zwischen den Musikern auch ein Gefühl von Gemeinschaft herstellen kann. Momentan werden die offenen Bühnen häufig leider mit einer Ankommen-Spielen-Abhauen-Mentalität abgehandelt. Jenaer Newcomer-Acts würden von einem regelmäßigen Stammtisch profitieren, um Orientierung über die Szene, aber auch die Vereinasarbeit des LAG Songkultur e.V. zu behalten. In einer Songkulturradio-Livesendung könnten sich zudem Künstler vorstellen und eine Interaktion mit den Hörern angeboten werden.

 

Was erwartet ihr von einem Dachverband für populäre Musik in Thüringen?

Die Arbeit des Vereins könnte die Promotion und Vermittlung zwischen Veranstaltern und Musikern umfassen. Vor allem No-Name-Künstler, die Vereinsmitglieder sind, könnten davon profitieren. Für konkrete Veranstaltungspläne und selbstorganisierte Gigs könnte ein Leih-Equipment-Pool von Nutzen sein - braucht jemand eine PA? Fehlt ein Verstärker?

 

Für die Zukunft

Ein Problem drückte sich in der Frage nach der weiteren Vernetzungsangeboten in Jena aus: Wir wollen weder insulär bleiben (immer dieselben Gesichter!), noch eine unpersönliche Struktur werden, in der kommt und geht, wer gerade etwas braucht. Wo es bereits Strukturen und Angebote gibt, kann der LAG Songkultur e.V. einen PR-Boost geben und Musiker dorthin führen. Wo gemeinschaftlicher Zusammenhalt und Solidarität fehlen, da lohnt es, sich zu engagieren und die Szene mit aufzubauen. Dabei können Netzwerkabende und Stammtische helfen.

In diesem Sinne: More Netzwerkabend is needed.

 

Autor: Stéphane Lejeune