(Digitaler) Vertrieb: Der Weg zum Release

Am 7. April fand in Kooperation mit der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft ein Erfahrungsaustausch rund um das Thema Vertrieb für Musiker statt. Wir haben Patrick Föllmer eingeladen den Abend mit einem Input zu eröffnen und seine persönlichen Erfahrungen mit den Anwesenden zu teilen. Patrick ist vor allem durch seine Projekte LILABUNGALOW und Alfred Quest bekannt und bringt einiges an Praxiswissen mit.

Vertrieb wird von Menschen gemacht

 Gleich zu Beginn verdeutlicht Patrick, dass zu einem Release sehr viel mehr gehört als das Material auf eine Plattform zu packen. Bevor ich an den Vertrieb gehe, lerne ich erstmal jemanden kennen, meint er. Der Vertrieb und alles was dazugehört läuft immer über Kontakte - und die richtigen zu haben, ist dabei das wichtigste. Musiker sollten sich immer im Klaren darüber sein, wen sie wo und wie mit ihrer Musik erreichen möchten. Dabei sollte auch über die Musik hinaus gedacht werden. Gibt es eventuell Blogger(Mode, Gaming, etc.), für die das Material interessant ist? Macht es Sinn, Künstler aus anderen Bereichen in Projekte mit einzubeziehen?

Es ist wichtig, ein eigenes Kontaktnetzwerk aufzubauen und dieses auch zu pflegen. Je größer euer Netzwerk ist, desto mehr Möglichkeiten habt ihr auch sich daraus ergebende Synergien zu nutzen. Oft ergeben sich Verbindungen, die man so gar nicht erwartet hat.

Aggregatoren vs. Verlage

Mit Content Aggregatoren haben Musiker heute die Möglichkeit, selbst Musik auf die entsprechenden digitalen Plattformen zu bringen. Dabei gilt es, genau aufzupassen, welche Rechte abgetreten werden und welche Dienstleistungen diese Aggregatoren noch anbieten können.

Ein Verlag mit eigenen Vertriebswegen nimmt einem die Arbeit des Eigenvertriebs ab und kann das besagte Netzwerk signifikant erweitern. Doch wie weit muss das Musikprojekt bereits sein, damit sich eine Kontaktaufnahme lohnt? Selbst eine erste EP kann bereits für einen Verlag interessant sein. Gerade Nischenprodukte sind beliebt, da Verlage in der Regel Zugriff auf ein großes Portfolio haben möchten: Je spezieller desto besser, kommentiert Patrick dazu.

Wenn man dazu noch viel live spielt, ist das ein weiterer Vorteil: 10 bis 20 Konzerte im Jahr sind ein guter Richtwert. Einige Verlage haben nicht nur die üblichen Vertriebswegen, sondern auch auf weiteren Kanälen, auf die man selbst noch keinen Zugriff hat. Dabei kann es zum Beispiel passieren, dass der neue eigene Song im Boardradio einer Airline läuft, oder als musikalischer Hintergrund in TV und Werbung.

Entscheidend bei der Wahl mit größeren Partner wie Verlagen und Vertrieben ist, zu wissen, was man möchte und welche Basis man sich bereits aufgebaut hat. Verlage können gute und verlässliche Partner sein, nehmen aber nur Geld in die Hand, wenn sie eine Rendite erwarten. Bei Content Aggregatoren wie Bandcamp hat man die volle Kontrolle über sein Produkt, muss sich aber um vieles selbst kümmern.

Wer ist eigentlich meine Zielgruppe?

Nach mittlerweile zehn Jahren und drei veröffentlichten Platten weiß Patrick, wie wichtig die Zielgruppe ist: Es macht Sinn, sich um folgendes Gedanken zu machen: Was ist meine Idee? Wer ist meine Zielgruppe? Wo ist meine Zielgruppe und über welche Kanäle und zu welchem Zeitpunkten kann ich sie erreichen?

Es ist immer wichtig zu wissen, wer die eigene Musik hört, in welchem Genre man sich bewegt, und wo man gerne hin möchte. Weiß man darüber Bescheid, ergeben sich viele Antworten rund um den Vertrieb von selbst. Wird mein Material nur digital gehört oder kaufen meine Fans CDs, Schallplatten oder vielleicht sogar Tapes? Mit dem Wissen über die Zielgruppe im Gepäck, kann man das eigene Budget gezielter investieren. Dieses Wissen hilft zum Beispiel die richtigen Playlisten auf Spotify und Radiokanäle für das eigene Material zu finden. Wenn die eigenen Songs auf Spotify laufen, sind die dort verfügbaren Metadaten eine gute Quelle, um besser auf die Bedürfnisse der eigenen Zielgruppe eingehen zu können. Eventuell macht es Sinn, eine professionelle Promoagentur zu engagieren, um das Material gezielt zu streuen. Diese Agenturen analysieren genau, wer zur Zielgruppe gehört und wie diese Zuhörer am besten erreicht werden können.

 

Was das Budget betrifft, um ein Release möglichst gut voran zu bringen, nutzt Patrick folgende Faustregel: Das doppelte meines Produktionsbudget fließt in die Promo. Dabei gehört auch Touren mit zur Promotion.

Der eigentliche Vertrieb ist das letzte Glied einer Kette vieler Überlegungen. Wieder zeigt sich, dass neben dem eigentlichen musikalischen Schaffen Zielgruppe und Promo eine wichtige Rolle spielen. Es lohnt sich, zu schauen, wer welche Information bieten und wie diese genutzt werden kann. Ladet nichts hoch, ohne vorher eine Strategie zu haben, gibt Patrick dazu als grundlegenden Tipp mit auf den Weg.