11 Antworten zu GEMA & Verlagen

André Lummer von Kick the Flame Publishing hat uns im Mai eine Einführung in die Welt der GEMA und Verlagsarbeit gegeben. In elf Punkten haben wir für euch nun noch einmal zusammengefasst, was die GEMA tut und wer welche Ausschüttungen bekommt oder Gebühren zahlen muss.

1. Was ist die GEMA?

 GEMA steht für „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“. Sie ist ein wirtschaftender Verein und verwaltet die Nutzungsrechte der ca. 65.000 bei ihr gemeldeten Urheber sowie von über zwei Millionen Rechteinhabern aus dem Ausland. Die GEMA ist aus der im Jahre 1903 gegründeten „Deutschen Anstalt für musikalisches Aufführungsrecht“ (AFMA) entstanden. Sie hat ihren Sitz in Berlin und München.

2. Welche Aufgaben hat die GEMA?

 Als Verwertungsgesellschaft ist es die Aufgabe der GEMA, kollektiv die Rechte ihrer Mitglieder wahrzunehmen. Sie überwacht die Nutzung geschützter Werke. Dazu gehört, dass die GEMA eine Nutzungserlaubnis für die Werke erteilt und dafür ein Nutzungsentgelt verlangt. Dieses Nutzungsentgelt wird anschließend über einen Verteilungsplan an die jeweiligen Urheber ausgeschüttet. Im Jahr 2018 wurden Erträge von ca. eine Milliarde Euro erzielt. Davon wurden im Frühjahr 2019 ca. 860 Millionen Euro an Urheber ausgeschüttet. Die Differenz nutzt die GEMA für eigene administrative Aufwendungen.

3. Was ist ein musikalisches Werk?

Um zu verstehen, was die GEMA eigentlich macht, muss man wissen wie ein musikalisches Werk entsteht und welche Rechte damit verbunden sind.

 

Das musikalische Werk beginnt mit einer Idee. Dabei werden Songelemente wie Akkorde, Rhythmus und Riffs zu einem Werk geformt. Um dieses Musikwerk bei der GEMA anzumelden, ist eine Dokumentation in Form von Notation oder einer Aufnahme notwendig. Bei der Anmeldung müssen alle am Werk beteiligten Personen eindeutig mit ihrer jeweiligen Rolle und Anteil am Werk benannt werden. Wenn dieses Werk dann anschließend in irgendeiner Art genutzt wird, erwachsen daraus Ansprüche. Die Nutzung kann dabei auch durch andere Personen als dem Urheber erfolgen.  

 

Die Ansprüche können beispielsweise Tantiemen sein. Als Urheber hat man zudem das Recht, die Aufführung und Weiterverbreitung der eigenen Werke zu untersagen.

 

 

4. Was passiert wenn ein Werk live aufgeführt wird?

An einer Werksaufführung sind in der Regel neben dem Interpreten noch weitere Partner beteiligt. Diese verfolgen jeweils andere Interessen und sind durch diese und eventuelle Verpflichtungen mit den anderen Beteiligten verknüpft.

5. Was muss der Veranstalter an die GEMA zahlen, wenn meine Werke aufgeführt werden?

 Der Veranstalter zahlt immer in Abhängigkeit von den Ticketpreisen und Anzahl der Besucher eine Lizenzgebühr an die GEMA. Diese ist nach dem Tarif U-K der GEMA für Unterhaltungskonzerte gestaffelt. Für ein klassisches Livekonzert sind dabei die Nettoumsätze wichtig. Das bedeutet, dass bei der Berechnung der Lizenzgebühren Umsatzsteuer, Vorverkaufsgebühren und enthaltene Leistungen wie z.B. Camping nicht berücksichtigt werden.

 

Staffelung der Lizenzgebühren nach Besucherzahlen der Veranstaltung

Anzahl Konzertbesucher

Lizenzgebühr aus den Nettoumsätzen der Eintrittsgelder

 Bis zu 2.000 5,75%
Über 2.000 aber bis zu 15.000 7,60%
Über 15.000 8,00%

 Wenn bei einem Konzert keine Eintrittsgelder verlangt werden, kommt eine Mindestsatzregelung zum Einsatz. Dies betrifft auch Konzerte mit Ticketumsätzen, bei denen weniger als der Mindestsatz an Lizenzgebühr anfallen würde oder Veranstaltungen auf Hutbasis. 

Anzahl Konzertbesucher

Lizenzgebühr aus den Nettoumsätzen der Eintrittsgelder

 Bis zu 150 24.10€
Bis zu 300 48,20€
Je weitere 150 24,10€

 

Ein paar Rechenbeispiele um diese Zahlen etwas zu verdeutlichen:

 

Beispiel 1 – Hutkonzert ohne Eintritt mit 40 Besuchern

  • Mindestsatz von 24,10€ wird fällig

 

Beispiel 2 – Konzert mit Ticketpreis von 14€ mit 80 Besuchern

  • Ticketeinnahmen: 1.120€ → Netto 907.20€
  • 907,20€ x 5,75% → 52,16€ werden fällig

 

Beispiel 3 – Konzert mit Ticketpreis von 17€ mit 300 Besuchern

  • Ticketeinnahmen: 5.100€ → Netto 4.131€
  • 4.131€ x 5,75% → 237,53€ werden fällig

 

Beispiel 4 – Veranstaltung mit 2,50€ Eintritt mit 350 Besuchern

  • Ticketeinnahmen: 875€ → Netto 708,75€
  • 708,75 x 5,75 → 40,75€ fallen an
  • 40,75€ liegen unter dem Mindestsatz für eine Veranstaltung dieser Größe daher werden 48,20€ GEMA-Lizenzgebühren fällig

Die Rechenbeispiele dienen nur zur Verdeutlichung und sind nicht bindend. Es existieren außerdem noch weitere Gebührenmodelle zum Beispiel für Volksfeste, Kabarett und Konzerte im Bereich der musikalischen Nachwuchsarbeit.

6. Was bekomme ich als Urheber von der GEMA, wenn meine Werke aufgeführt werden?

Die Ausschüttungen pro aufgeführtem Song von der GEMA sind von mehreren Faktoren abhängig. Zunächst erfolgt die Ausschüttung über zwei Anteile, so genannte Sparten:

  • Sparte U: Aufführung
  • Sparte M: öffentliche Wiedergabe durch mechanische Vorrichtung

Bei einem Konzert wird nach Sparte U und M vergütet.

Jedes gemeldete Werk wird von der GEMA mit einem Punktesystem eingestuft und es wird anschließend pro Veranstaltung und Punkt ein Wert in € vergeben. Für Unterhaltungsmusikgenres wie Pop, Rock, Metal sind dies typischerweise 12 Punkte.

Der Wert in € eines Punktes hängt von der vom Veranstalter abgeführten Lizenzgebühr ab und ist in 12 Segmente gestaffelt. Für die oben genannten Beispiele sind die Segmente 2-6 wichtig:

  • Segment 1: nicht zuordenbare Einnahmen
  • Segment 2: Lizenzgebühren unter 50€
  • Segment 3: Lizenzgebühren ab 50,01€ bis 100€
  • Segment 4: Lizenzgebühren ab 100,01€ bis 150€
  • Segment 5: Lizenzgebühren ab 150,01€ bis 200€
  • Segment 6: Lizenzgebühren ab 200,01€ bis 250€

Wichtig ist, dass ab Segment 9 eine andere Staffelung und Berechnung erfolgt und diese nicht auf die Beispiele angewendet werden kann. Ab diesem Segment wird die eingezahlte Gebühr gleichmäßig über alle Werke ausgeschüttet.

Ein weiterer Faktor ist die Programmabdeckung. Also die Quote aller Musikfolgen, welche anteilig an allen durchgeführten Konzerten je Segment eingereicht wurden.

Zur Berechnung der Tantiemen stellt die GEMA eine Punktwert- und Faktorentabelle zur Verfügung. Hier ein Auszug aus der Tabelle von Segment 2-6 aus dem Jahr 2017:

 

Punktwert in €

Programmabdeckung

Segment 2 0,0590 49,33%
Segment 3 0,1290 54,16%
Segment 4 0,1982 58,58%
Segment 5 0,2737 59,43%
Segment 6 0,3262 59,67%
Sparte M 0,0994  

 Wenden wir die Daten aus den Tabellen wie folgt auf unsere Beispielen an:

Beispiel 1 - Hutkonzert ohne Eintritt mit 40 Besuchern

  • 24,10€ GEMA Lizenzgebühr → Segment 2
  • Anteil Sparte U
    • 100/49,33 x 12 Punkte x 0,0590€
    • 1,44€ pro Song
  • Anteil Sparte M
    • 100/49,33 x 12 Punkte x 0,0994€
    • 2,41€ pro Song
  • Insgesamt werden 3,85€ pro Song an den jeweiligen Urheber ausgeschüttet

Beispiel 2 – Konzert mit Ticketpreis von 14€ mit 80 Besuchern

  • 52,16€ GEMA-Lizenzgebühren → Segment 3
  • Anteil Sparte U
    • 100/54,16 x 12 Punkte x 0,129€
    • 2,86€ pro Song
  • Anteil Sparte M
    • 100/54,16 x 12 Punkte x 0,0994€
    • 2,20€ pro Song
  • Insgesamt werden 5,06€ pro Song an den Urheber ausgeschüttet.

Beispiel 3 – Konzert mit Ticketpreis von 17€ mit 300 Besuchern

  • 237,53€ GEMA-Lizenzgebühren → Segment 6
  • Anteil Sparte U
    • 100/59,67 x 12 Punkte x 0,3262€
    • 6,56€ pro Song
  • Anteil Sparte M
    • 100/59,67 x 12 Punkte x 0,0994€
  • 2,00€ pro Song
  • Insgesamt werden 8,56€ pro Song an den Urheber ausgeschüttet.

Beispiel 4 – Veranstaltung mit 2,50€ Eintritt und 350 Besuchern

 

48,20€ GEMA-Lizenzgebühren → Segment 2

Wie in Beispiel 1 werden 3,85€ pro Song an den jeweiligen Urheber ausgeschüttet.

 

Quelle:

https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musikurheber/Informationen/INKA_Infoblatt_Sparte_U_GJ_2017.pdf

 

Die angegebenen Rechenbeispiele erheben keinen Anspruch auf vollständige Richtigkeit und sollen nur dazu dienen, ein Gefühl für GEMA-Lizenzgebühren und daraus resultierende Tantiemen bei Aufführungen zu vermitteln. Wer sein eigenes Repertoire oft live aufführt, kann damit auch entsprechend viele Tantiemen von der GEMA bekommen.

7. Muss ich Lizenzgebühren für Veranstaltungen abführen auf denen GEMA-freie Musik gespielt wird?

Kurze Antwort: Nein

Prinzipiell ist jede öffentliche Veranstaltung auf der Musik aufgeführt oder gespielt wird anmeldepflichtig. Jeder Veranstalter verpflichtet sich dazu, der GEMA mitzuteilen welche Werke für eine Veranstaltung genutzt wurden. Wenn kein GEMA-Repertoire gespielt wurde, kommt auch keine Rechnung.

8. Wer zahlt noch an die GEMA?

 In den letzten Abschnitten haben wir uns vor allem auf Aufführungen und Veranstaltungen konzentriert, aber die GEMA sorgt auch dafür, dass unter anderem folgende Werknutzungen vergütet werden:

  • Nutzung im Internet (Webradios, Streaming, Podcast usw.)
  • Herstellung von Tonträgern und Mediaproduktionen (CDs, LPs, Games, sonstige Datenträger)
  • Kinofilme
  • TV- und Radiosender

Wichtig ist dabei immer, dass die GEMA für die Vergütung der Werknutzung sorgt, aber keine Nutzungsverbote ausspricht.

9. Was kostet eine Mitgliedschaft bei der GEMA?

Die einmalige Anmeldung als Urheber bei der GEMA kostet 107,10€. Hinzu kommt der jährliche Mitgliedsbeitrag von 50€ welcher aber mit den erhaltenen Tantiemen verrechnet wird.

10. Was machen jetzt eigentlich Verlage?

Bevor ein Werk vergütet werden kann, muss es zuerst angemeldet werden. Ein guter Verlag kann dabei eine große Hilfe sein. Je genauer ein Werk bei der GEMA angemeldet wird, desto einfacher wird es sein, bei einer Nutzung den jeweiligen Urhebern ihre Anteile zuzuordnen. Verlage helfen auch bei der Werkseinstufung und können beurteilen, ob ein Werk mehr als 12 Punkte bekommen kann.

Weiterhin kontrolliert der Verlag die Abrechnung der GEMA auf Richtigkeit. Wurde jede Veranstaltung korrekt angemeldet? Wurden dabei alle gespielten Werke korrekt aufgelistet? Zitat André: „Im letzten Jahr haben unsere Künstler ungefähr 4000 Konzerte gespielt und bei der GEMA-Abrechnung haben wir eine Fehlerquote von ca. 55% festgestellt.“ Gründe dafür können unter anderem nicht bei der GEMA gemeldete Veranstaltungen, fehlerhafte Tracklisten oder noch nicht abgeführte Lizenzgebühren sein.

Ein Verlag kann die eigenen Werke auch an Stellen platzieren, auf die man als Urheber nur schwer Zugriff hat. Dabei geht es vor allem um Filme, Werbung, Games oder vielleicht auch Bordradios von Airlines. Der Verlag kann dabei auch die Lizenzverhandlungen mit der dritten Partei übernehmen, um für den Urheber eine faire Vergütung für die Nutzung zu erzielen.

Wenn die eigenen Texte und Noten gedruckt werden sollen, verfügen Verlage über eine entsprechende Infrastruktur so etwas umzusetzen.

Ein Verlag kann außerdem auch Vorschüsse zahlen und euch zu Fördermitteln beraten.

Zu guter Letzt ist ein Verlag in der Regel auch den Zugang zu einem Netzwerk, dessen Wert häufig unterschätzt wird.

11. Was bekommt ein Verlag für seine Arbeit?

 Ein Verlag wird an den Tantiemen beteiligt, die an den Urheber durch die GEMA ausgeschüttet werden. Es ergeben sich in Abhängigkeit von Werk und Nutzung verschiedene Anteile für den Verlag. Diese können zur groben Orientierung zwischen 30-40% liegen. Der Verlag verdient aber nur, wenn der Urheber verdient. Daher sollten beide Parteien immer kooperieren und zusammen daran arbeiten, dass die Werke oft genutzt werden.