Das Label: Partner für deine Musik

Im Juni saßen wir mit Judith von sonokraft und einigen lokalen Musikern im Jenaer Coworking-Space Leuchtturm zusammen, um über moderne Label-Arbeit zu sprechen. Dabei ging es unter anderem um die grundlegenden Aufgaben eines Labels, die Zusammenarbeit mit den Künstlern und die Kontaktaufnahme zum Label.

Sonokraft ist ein Indie-Label und Musikverlag, bei dem momentan drei Leute in Erfurt, Hamburg und Berlin in tätig sind. Gemeinsam mit dem Team hinter der Notationssoftware Soundnotation bildet es die Sonovative GmbH.

Was macht ein Label eigentlich?

Das Label schafft eine Brücke zwischen dem Interpreten und den Hörern sowie zur GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) und verschiedenen Businesspartnern. Ziel des Labels ist es auch, Künstler zu entlasten, damit diese sich voll und ganz auf die kreativen Aktivitäten konzentrieren können. Die Label-Arbeit umfasst unter anderem die folgenden Teilbereiche:

  • teilweise Künstlermanagement; insbesondere das Künstlerprofil gemeinsam mit dem Künstler erstellen und schärfen
  • Community aufbauen
  • Netzwerk bilden
  • Imagepflege der Künstler
  • Release-Planung und -strategie
  • Vertrieb und Promo

Die Label-Arbeit ist eng mit der Verlagsarbeit verknüpft, weshalb viele Musikunternehmen beide Bereiche abdecken. Um zu verstehen, was beide Felder jeweils ausmacht und voneinander unterscheidet, macht es Sinn, sich das Ganze auf der rechtlichen Ebene anzuschauen. Dabei sind vor allem das Recht an der Idee (Urheberrecht) und das Recht an der Aufnahme (Leistungsschutzrecht) zu unterscheiden. Verlage kümmern sich dabei in der Regel um alle Bereiche, die mit dem Urheberrecht zusammenhängen und Labels übernehmen die Seite des Leistungsschutzrechtes.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit einem Label aus?

Die Kooperationsmöglichkeiten mit einem Label sind vielfältig und entsprechend existieren verschiedene grundlegende Vertragsstrukturen. Die einfachste Vertragsform ist ein Vertriebsvertrag. Bei diesem wird das Material in die gewünschten Shops (digital: Streaming- und Downloadportale) gebracht, ohne die Freigabe weiterer Nutzungsrechte. Optional kann ein solcher Vertrag noch ein Promo-Paket beinhalten.

Die nächste Stufe ist der Bandübernahmevertrag. Der Künstler kommt hier ebenfalls bereits mit den fertigen Aufnahmen zum Label, für welche er dem Label erweiterte Nutzungsrechte gestattet, damit dieses die Recordings umfassend vermarkten kann. Hier findet eine engere Zusammenarbeit mit dem Label statt, bei der bspw. Videoproduktionen oder größere Promo-Aktionen gemeinsam umgesetzt werden können.

Wenn eine langfristige Kooperation angestrebt wird, kann ein Künstlerexklusivvertrag sinnvoll sein. Bei diesem verpflichtet sich die Band oder der Solokünstler, nur mit diesem Label zusammenzuarbeiten. Dadurch besitzt das Label mehr Möglichkeiten, den Künstler langfristig aufzubauen und Produktionen zu unterstützen. Diese Vertragsform ist selten geworden und kommt überwiegend nur bei großen Labels vor, welche auch ein Tonstudio besitzen.

Welcher Vertrag schließlich geschlossen wird, ist in erster Linie von den kurz- und längerfristigen Zielen beider Seiten und der Beziehung zwischen den beiden Partnern abhängig.

Wie trete ich mit einem Label in Kontakt?

Der Erstkontakt zu einem Label findet häufig über das Artist and Repertoire Management (kurz A&R) statt. Es entscheidet in der Regel, ob eine Kooperation sinnvoll erscheint. Da ein Label für einen Künstler auch eine Marke sein kann, ist es wichtig, sich in dem Zuge auch mit Image-Fragen zu beschäftigen.

Wie schafft man es als Künstler, Interesse zu wecken? Man muss den richtigen Nerv beim Label treffen. Vieles findet hier auf der persönlichen Ebene statt. Ob man einen Song gut findet, lässt sich selten objektiv beurteilen. Die Faktoren, die hier eine Rolle spielen, sind unter anderem Songwriting, Instrumentierung, Performance und Authentizität. Wenn die Musik zum Label passt, ist man schon einen Schritt weiter.

Als nächstes sind das Gesamtkonzept und die Kommunikation der Band nach außen wichtig. Hier geht es vor allem um Punkte wie Ausstrahlung und Interaktion mit der Fanbase. Ist das künstlerische Konzept klar? Passt das, was man visuell präsentiert, auch zur Musik? In welcher Szene bewegt man sich (Underground, Mainstream, Pop, Rock...)? Außerdem ist ein professionelles Auftreten wichtig. Labels erwarten von Bands und Solokünstlern ein gewisses Selbstmanagement. Gute Musik und mangelhafte Organisation sind eine bedauerliche und leider nicht seltene Kombination. Es sollten klare Ziele existieren, sowohl kurzfristige als auch langfristige. Was habt ihr mit eurem Projekt im nächsten halben Jahr vor? Wo seht ihr das Projekt in drei Jahren? Verfolgen alle in der Band die gleichen Ziele bzw. wo liegt der gemeinsame Nenner?

Stellt euch also vorab diese Fragen und lotet eure Pläne und Ziele aus. Wenn ihr dann ein Label findet, das inhaltlich und menschlich zu euch passt, steht einer guten Zusammenarbeit nichts mehr im Weg!